Katharina von Bora – eine Frau der Reformation

Katharina von Bora – eine Frau der Reformation

Katharina von Bora – eine Frau der Reformation

# Aktuelle Meldungen

Katharina von Bora – eine Frau der Reformation

Was wäre der Reformationstag ohne Martin Luther, ohne den sog. Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg im Jahre 1517? Ja, wohl gar nicht existent!

Was wäre, hätten die Aussagen dieses rebellischen Mönches und berühmt berüchtigten Professors Luther zu Wittenberg nicht eine derartige Verbreitung und Strahlkraft gefunden? Damals unmittelbar

… und im Besonderen bei einer jungen Nonne in einem Kloster in Nimbschen.

Katharina von Bora wurde am 29. Januar 1499 in der Gegend um Borna geboren. Ihre Mutter starb früh und sie kam schon mit fünf Jahren in die Klosterschule des Augustiner-Chorfrauenstifts in Brehna. Als sie etwa zehn Jahre alt war, zog sie in das Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen. Hier lernte sie lesen und schreiben und ein wenig Latein. Schon 1515 legte sie ihr Gelübde als Nonne ab.

Nur wenige Jahre später drangen die reformatorischen Ideen Martin Luthers auch ins Kloster durch. Katharina las Luthers Schriften, war tief beeindruckt und entschloss sich, zusammen mit einigen Mitschwestern das Kloster zu verlassen. Sie baten Luther um Unterstützung, der veranlasste eine heimliche und gefährliche Aktion. In der Osternacht 1523 versteckten sich die 12 Nonnen zwischen oder sogar in Heringsfässern auf einem Wagen, auf dessen Kutschbock Herr Koppe, ein unerschrockener Torgauer Bürger, saß. Sie konnten aus dem Kloster unbeschadet fliehen und gelangten schließlich nach Wittenberg.  Luther brachte die Frauen bei Wittenberger Freunden unter und vermittelte ihnen später auch passende Ehemänner, damit sie versorgt waren. Es war nicht leicht, Katharina von Bora zu verheiraten. Katharina wurde zunächst im Haus des Stadtschreibers Philipp Reichenbach untergebracht, später zog sie ins Haus des Malers Lucas Cranach d. Ä. und arbeitete dort in dessen Haushalt und Apotheke. Zunächst blieb sie unverheiratet. Als Luther, nachdem er selbst eigentlich gar nicht hatte heiraten wollen, doch um ihre Hand anhielt, stimmte sie sofort zu.

1525 wurden die beiden im Schwarzen Kloster getraut. Fortan bewohnten sie das alte Augustinerkloster. Katharina übernahm die Verwaltung des Anwesens, züchtete Vieh, betrieb Fischzucht und eine Bierbrauerei. Gegen Bezahlung brachte sie all die Besucher und Studenten, die sich um Luther scharten, auf ihrem Anwesen unter. Sie trug unermüdlich und wesentlich zum Lebensunterhalt der Familie bei. Sie hatten sechs Kinder, deren Bildung und Erziehung ihnen beiden am Herzen lag. Zwei Kinder verstarben in jungen Jahren. In Pestzeiten betrieb sie zudem gemeinsam mit anderen Frauen eine Pflegestation. Tatkräftig stand sie ihrem berühmten Mann zur Seite und hielt ihm rational, emotional und fürsorglich den Rücken frei.

Nach Luthers Tod 1546 geriet sie in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Erst durch Unterstützung durch den Kurfürsten sprach man ihr als Frau einen Großteil des Erbes zu und auch ihre Kinder durften bei ihr bleiben. 

1546/47 floh sie während des Schmalkaldischen Krieges nach Magdeburg. Als sie zurückkehrte, war ihr Besitz verwüstet und es war nicht leicht für sie, ihre Familie zu versorgen. Als 1552 die Pest ausbrach, floh sie mit den Kindern nun nach Torgau. Kurz vor dem Ziel verunglückte der Wagen. Katharina wurde schwer verletzt und starb drei Monate später am 20. Dezember 1552.

Von ihr und ihren Gedanken ist nichts Schriftliches überliefert – wie bei so vielen Frauen zur Zeit der Reformation. Es gibt keine Originalquellen. Dennoch wirken sie und ihr Lebensmuster bis heute nach. Das Bild des evangelischen Pfarrhauses wurde maßgeblich geprägt. Vor allem eröffnet der Blick in ihr Leben das Bild von einer Frau zur Zeit der Reformation, welches sie als Nonne zur selbstbewussten Frau, zur Frau an Luthers Seite und schließlich zur Protagonistin der Reformation werden lässt: 

klug, energisch, tatkräftig, liebevoll, intellektuell, emanzipiert und zutiefst gläubig. 

Ihre letzten Worte sind folgendermaßen überliefert: “ Ich will an meinem Herrn Jesu, der mich erlöset hat, hangen wie die Klette am Leib.“

Wirkungsgeschichtliches:

  • Luther-Zitat: „Eine Frau ist der beste Gefährte fürs Leben.“ – „Ich wollte meine Käthe nicht um ganz Frankreich und Venedig hergeben, darum weil Gott sie mir geschenkt und mich ihr gegeben hat.“   Martin Luther

  • Bild von KvB: Ein „moderneres sog. Zwillingsbild“ zeigt uns die „doppelte Katharina“ - Katharina mit Büchern und Kochlöffel.

  • Der Film „Katharina Luther“ (2017) widmet sich ihrem Leben. Dargestellt wird sie von der Schauspielerin Karoline Schuch.

Birgit Koch-Dannert

Dies könnte Sie auch interessieren